Depressionsleitinien Kompetenznetz Depression, Suizidalität

  Experten  Diagnostik 

Screening


Screening, d.h. die Identifizierung möglicherweise depressiv Erkrankter durch gezieltes Fragen mit Hilfe spezifischer Screeninginstrumente, ist bei primär körperlichen Beschwerden und beim Vorhandensein relevanter Risikofaktoren angebracht.

Screeningsinstrumente können auch zur Verlaufskontrolle bei der Behandlung genutzt werden. 

*  Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie / Nervenheilkunde, Psychologischer Psychotherapeut, Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Arzt mit Zusatztitel Psychotherapie

Quelle: DGPPN, Nervenarzt, 2005, 1:104-121

Ein positives Screeningergebnis funktioniert wie ein Hinweis ("red flag") für die Behandler und zeigt an, dass der Patient nach depressiven Symptomen und dem funktionalen Status befragt werden sollte, so dass eine korrekte Diagnose nach ICD-10 Kriterien gestellt werden kann.

Ein breites Routinescreening aller Patienten ("systematisches Screening, Massenscreening") ist hingegen nicht zu empfehlen, da der zeitliche Aufwand in einer ungünstigen Relation zum Nutzen steht.

 

Empfehlungen
  • In der Versorgung von Patienten, die einer Hochrisikogruppe angehören – z.B. aufgrund früherer depressiver Störungen oder komorbider somatischer Erkrankungen – sollten Maßnahmen zur Früherkennung bezüglich Depression bei Kontakten in der Hausarztversorgung und in Allgemeinkrankenhäusern eingesetzt werden. (B)
  • Die Diagnose einer behandlungsrelevanten depressiven Störung sollte, wenn in einem Screening erhöhte Depressionswerte festgestellt werden, durch die anschließende direkte und vollständige Erfassung der Haupt- und Zusatzsymptome (Schweregrad) sowie Fragen zu Verlauf und Dauer gestellt werden. (B)

Quelle: S3-Leitlinie/NVL Unipolare Depression, 2009